Stolpersteine in Vechta

Mit Ehrfurcht und mahnendem Gedenken betrachte ich die in die Pflasterung an Vechtas Straßen eingelassenen Stolpersteine. Jeder Würfel erinnert an das Schicksal eines jüdischen Mitbürgers.

Wer im Gedächtnis der Menschen lebt,
der ist nicht tot, der ist nur fern;
tot ist nur, wer vergessen wird.

Und vergessen werden wir nicht, dürfen wir nicht. Daran erinnern uns diese Steine.

Ein Lob an die Vechtaer Schulen, die bei den verschiedenen Steinlegungen für die Angehörigen der Familien Marx, Gerson und Bloch die Patenschaft übernommen haben. Ein Lob auch an Hoscheng Ibrahim für sein Engagement und seinen eigens für diese Anlässe verfassten Rap.

Unverständlichkeit macht sich allerdings breit, wenn man die in der OV vom 12.03.2011 dargestellte Meinung von Charlotte Knobloch (ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland) liest, dass das Andenken der jüdischen Familien so „sprichwörtlich mit Füßen getreten“ werde. Was soll dann ein Quadermahnmal in Berlin, auf dem man sich zum Sonnen ausstreckt oder herumklettert.

Gedenken hat etwas mit innerer Einstellung zu tun. Gedenken kann ich auch ganz ohne Symbole. Aber mit den Stolpersteinen stolpert meine Seele bei jedem Gang durch die Stadt. Ein, wie ich finde, angemessener Weg, denn die Steine drängen sich nicht auf und sind doch da. Wer Augen hat zu sehen, der sieht sie, auch wenn sie nicht mehrere Meter hoch und in dunkelsten Farben in den Himmel ragen.

Trauer und Gedenken müssen nicht wie eine Standarte getragen und mit Posaunen und Pauken zelebriert werden. Trauer und Gedenken sind etwas ganz Individuelles und Persönliches. Und im Falle der Familie Gerson zeigten sich die Überlebenden, die bei der Steinlegung zugegen waren, gerührt und sogar dankbar für das Andenken, das ihnen in unserer Stadt entgegengebracht wird.

Lassen wir es dabei und gedenken in Stille, Demut und Scham.

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