„Gerächtigkeit“ – ein Frage der Moral

In Ihrer Ausgabe vom 3.5.2011 ruft die OV zur Diskussion bei Facebook auf und fragt: War die Tötung von Al Kaida – Chef Osama bin Laden moralisch vertretbar?

Ein Staat, der sich im Jahr 2001 ins Herz getroffen fühlte durch die Anschläge auf eines seiner wirtschaftlichen und militärischen Zentren hat den vermeintlichen Verursacher liquidiert mit all seiner militärischen Macht. Auf den Straßen in den Metropolen der USA brach Jubel aus, Menschen tanzten vor Freude über diesen „Erfolg“. Moralisch vertretbar? Aus unserer Sicht ist es absolut nicht zu vertreten, wenn Menschen Menschen töten, egal aus welchen Beweggründen. Wer sind wir, dass wir uns über den Tod eines Menschen freuen? – Bei allem Verständnis dafür, dass man in die wirklich moralische Zwickmühle gerät, wenn man vor die Wahl gestellt wird, ob man zum Beispiel in einer Diktatur den Despoten beseitigen oder sich konform verhalten soll, weil man z.B. einen Eid geleistet hat – ich denke da an die Attentäter auf Hitler vom 20.7.1944.

Aber hier liegt der Fall doch etwas anders. Die Reaktionen der bundesdeutschen Politiker sind unverständlich, wenn Kanzlerin Merkel sich erleichtert zeigt („Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“), Westerwelle den Tod gar begrüßt („Dass diesem Terroristen sein blutiges Handwerk gelegt werden konnte, ist eine gute Nachricht für alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen in der Welt.“ ). Politiker, die sich einerseits mit der Zulässigkeit der PID befassen und diese ablehnen, weil dort im Zwei-Zellen-Stadium Leben vernichtet wird, sind für die Tötung eines Menschen? Unfassbar! Wer entscheidet über wertes oder unwertes Leben? Ist Leben nicht ein Wert an sich?

In der Bundesrepublik ist die Todesstrafe mit Artikel 102 GG abgeschafft (außer in Hessen, wo sie in Artikel 21 der Landesverfassung weiterhin verankert ist, aber Bundesrecht steht über Landesrecht – dort ist Artikel 21 in dem Punkt also unwirksam). Warum also freut man sich dann über den gewaltsamen Tod eines Menschen oder begrüßt ihn? Ist das alleine vom Denken her dann noch verfassungskonform? Zweifel sind angebracht und es zeigt einmal mehr, dass Politiker gerne auch mit dem Strom schwimmen und dort am lautesten schreien, wo sie auf viele Mitheuler hoffen können. Stammtischparolen – das ist Populismus in einer verwerflichen Art. Christliches Denken sieht anders aus – übrigens im bundesdeutschen Sinne auch demokratisches. Hier wäre als Reaktion zu erwarten gewesen, dass es die Volksvertreter bedauern, dass man Bin Laden getötet und nicht vor ein ordentliches Gericht gestellt habe. Aber nichts dergleichen.

Vor den nun vor uns liegenden Zeiten habe ich gestern schon gewarnt. Gewalt, wie auch immer sie gelagert und motiviert ist, erzeugt Gegengewalt. Und diese Gegengewalt ist dann oftmals stärker als die sie auslösende – wir schrauben uns gegenseitig in die Höhe. Vielleicht erfahren wir schon bald, dass die Bibel doch Recht hat, denn dort heißt es im Buch Hosea, Kapitel 8, Vers 7:

Denn sie säen Wind / und sie ernten Sturm.

Das sollte für Christen und Demokraten eigentlich Warnung genug sein. Hoffen wir, dass den Verantwortlichen schnellstens die Augen aufgehen. Christliche, moralische und demokratische Werte sind nicht verhandelbar, denn dann wären es keine Werte mehr. Und Gerechtigkeit wird mit „e“ geschrieben, denn sie ist nicht von „Rache“ abgeleitet.

Ein Gedanke zu “„Gerächtigkeit“ – ein Frage der Moral

  1. Usa haut einen sich bei der Festnahme wehrenden Bin Laden aus den Latschen- Böse Böse!
    Die EU-Nato-Gutmenschen-Achse bombt auf Gaddafi und lässt seinen Sohn exekutieren und es sind Helden.. Unsere Gesellschaft weiss einfach nicht mehr was sie will, habe ich den Verdacht..

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