Volkspartei ohne Volk? – Zur Bremenwahl

„Das ist eine schmerzhafte Niederlage für die CDU. Es ist schwer, Volkspartei in einer Großstadt zu sein.“ Mit diesen Worten zitiert die OV vom 23.05.2011 Hermann Gröhe, den Generalsekretär der CDU.

Das Wahlergebnis in Bremen bescherte der CDU nach einer Hochrechnung vom Sonntagabend (22.00 Uhr) Verluste in einer Größenordnung von 5,5 Prozentpunkten, was einem Gesamtverlust von fast 21,5% entspricht. Weitere Verlierer waren die Linke (-2%-Punkte) und erwartungsgemäß die FDP (- 3,5%-Punkte), die sogar absolut 41,6% weniger Stimmen erhält als noch 2007.

Bremenwahl 2011

Der CDU-Generalsekretär verharmlost in seiner Aussage, denn wer lebt denn in Bremen? Gehören die Bürgerinnen und Bürger dort nicht zum Volk? Redet man sich ein, nur die Gesamtheit der Bundesdeutschen sei Volk?

Sicher gelten in den Ländern und in den Kommunen andere Gesetzmäßigkeiten als im Bund. Aber genau das ist doch das Reizvolle. Offensichtlich haben es weder CDU noch FDP verstanden, die Bremer Bürgerinnen und Bürger richtig anzusprechen und sich ihrer Fragen und Probleme anzunehmen. Wenn das so ist, dann sind sie wirklich Parteien ohne Volk, denn Politik nur um der Politik Willen, das ergibt keinen Sinn. Politik ist für die Menschen und nicht umgekehrt. Es liegt also nicht am Unverständnis der Bremerinnen und Bremer, wenn CDU und FDP in der Gunst der Menschen einbrechen, es liegt an den Parteien und den jeweiligen Führungen, wenn sie den Kontakt zu ihren Wählerinnen und Wählern verlieren.

Was sich auf Bundesebene andeutet, das setzt sich in Bremen fort und wird verstärkt durch innerbremische Themen. Die Wählerinnen und Wähler trennen nicht immer unbedingt sauber nach Bundes- und Landesthemen. Wenn aber beides zusammenkommt und wenn beides eher an eine Talfahrt erinnert, dann stürzt man eben auch einmal ins Bodenlose. Dann sollte man allerdings auch langsam aber sicher einmal darüber nachdenken, ob man sich noch „Volkspartei“ nennen darf, denn dann ist das Volk längst weg und man ist in diesem Sinne eine Partei ohne Volk.

Bei Wikipedia findet sich ein Zitat, das den Nagel auf den Kopf zu treffen scheint:

Die Struktur der Volksparteien ist gekennzeichnet durch eine starke Parteiführung, die von Mitgliedern und Anhängern weitgehend unabhängig ist und durch den geringen Einfluss des einzelnen Parteimitglieds, das aufgrund einer in viele Ebenen differenzierten Organisation wenig Kontakt zur Parteiführung hat. Dies sowie die nur gering ausgeprägte interessenpolitische und ideologische Ausrichtung führt dazu, dass die Identifikation und Loyalität der Anhängerschaft gegenüber der Partei im Vergleich mit anderen Parteitypen eher gering ist. Zwar sind Volksparteien in der Regel die mitgliederstärksten Parteien; dem steht jedoch eine hohe Zahl von Parteiwechseln und -austritten gegenüber.

(Hervorhebungen von R. Schulte)

Ist doch interessant, oder?

5 Gedanken zu “Volkspartei ohne Volk? – Zur Bremenwahl

  1. was einem Gesamtverlust von fast 21,5% entspricht.
    Wie ist diese aussage zu verstehen?
    Mir ist unbekannt das die CDU 21,5 % verloren hätte, bzw seit wassn, oder ist es als relativer Verlust an wählerstimmen zur Vorwahl?

    • Bei der letzten Wahl hatte die CDU noch 25,6 % und nun noch 20,1 % – das sind 5,5%-Punkte weniger.
      Aber wenn damals 25,6% erreicht wurden und dieses Mal noch 20,1%, dann sind das eben 21,5% weniger.
      Wenn du 25,60 Euro hast und am Ende noch 20,10 Euro, dann hast du eben 21,5 % deines ursprünglichen Geldes ausgegeben.
      So war das gemeint und gerechnet.

  2. Viel schmerzhafter finde ich, dass man auch an dieser Wahl sieht, dass die Wahlbeteiligung weiter sinkt. Dieser mittlerweile schon kontinuierliche Prozess scheint sich immer weiter fortzusetzen. Das ist es, was allen polititschen Gruppierungen zu denken geben sollte und was ein Handeln erfordert. Denn irgendwann sind Wahlergebnisse dann überhaupt nicht mehr repräsentativ (wobei, kann man bei knapp 52% Wahlbeteiligung überhaupt noch von einem repräsentativen Wahlergebnis sprechen) und es besteht die Gefahr, dass es einer radikalen Partei mit wenigen Anhängern und wenigen Stimmen gelingt eine Mehrheit zu erringen (man denke nur einige Jahrzehnte zurück…).

    • Ja, das sehe ich auch so. Darum hat sich WirFÜRVechta ja auch zum Ziel gesetzt, mittelfristig durch mehr Bürgerbeteiligung zu erreichen, dass sich wieder mehr Bürgerinnen und Bürger für ihr Umfeld interessieren und dabei feststellen, dass es sich lohnt, sich einzusetzen und zu engagieren. Politik muss einen neuen Anstrich bekommen und sie muss endlich erkennen, dass sie um der Bürger Willen gemacht wird und nicht wegen Parteidisziplin und oder aufgrund ideologischer Taktierereien. Wir wollen das ändern, denn diese Erneuerung kann nur von unten nach oben geschehen. Darum sind wir alle aufgerufen, uns dem allgemeinen Trend zur Verdrossenheit zu widersetzen. Und wie der Apptetit oft beim Essen kommt, so kommt auch der Spaß beim Mitmachen.

  3. Interessant ist auch, dass die BIW die sich um ein Vielfaches gesteigert und erneut einen Sitz erringen konnte erst garnicht erwähnt wird..

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