Lokal-Werbung in Berlin – 400 Leute unterwegs

Der Kongress tanzt, möchte man sagen. Man stelle sich das einmal vor: Da fahren mit Ratsmitgliedern insgesamt 400 Vechtaer Bürgerinnen und Bürger nach Berlin, um dort zu zeigen, dass man hier Stoppelmarkt feiert. In der niedersächsischen Landesvertretung trifft man sich bei Bier und „kulinarischen Köstlichkeiten“, wie es in der OV vom 7.6.2011 auf S. 10 heißt. Die Verpflegung hatte man aus Vechta extra mitgebracht. Werbung für die Uni und für die wirtschaftliche Stärke der Stadt – mit 400 Leuten. Und Ursula von der Leyen war auch da. Sie sei schon vor 35 Jahren mit ihrem Vater, dem damaligen niedersächsischen Minsterpräsidenten Ernst Albrecht (nicht zu verwechseln mit den Aldi-Brüdern, die heißen Karl und Theo Albrecht) auf dem Stoppelmarkt „rumgehüpft“. Jürgen Muhle, Chef der Paneuropa, beschrieb die Vechtaer als „bodenständig und innovativ“. Die Stadt sei immer bereit, ihre Unternehmer zu unterstützen. Bürgermeister Bartels beschrieb Vechta als „eine ausgezeichnete Bildungsregion mit hohen wirtschaftlichen Kapazitäten“. Professor Dr. Wilking von der Uni Vechta lobte die „Forschungsvorteile an der Uni“ und die Präsidentin der Uni, Marianne Assenmacher, wird mit den Worten zitiert: „Eine solche Universität hat größeres Potenzial, Neuerungen durchzusetzen.“ Und Landrat Focke war „mit Spaß dabei“, außerdem natürlich Jan und Libbet, Jazz for Fun, Monika Ebeling verteilte Lebkuchenherzen, Marktmeister Manfed Meyer und Thomas Frilling mit Drehorgel …  Naja, und dann noch so der ein oder andere wichtige Stadtvertreter. Sogar Dirk Bojes mit seiner Milchbar.

Seien wir mal nicht so – da kommt man dann schon einmal schnell auf 100 wichtige Personen. Aber was ist mit den 300 anderen? Was war das denn nun? War das ein Betriebsausflug? Wenn ja, von welchem Betrieb? War das eine Werbeverantstaltung für den Stoppelmarkt? Warum dann in Berlin? (Damian Ryschka kommentiert zu Recht, dass der Markt ein Selbstläufer sei und Berliner wohl kaum kämen). Warum ist man überhaupt nach Berlin und nicht nach Hannover? Wer bezahlt das eigentlich alles? Und warum fahren nicht auch einmal ganz normale Bürgerinnen und Bürger in die Hauptstadt? Immerhin sind ja die normalen Arbeiterinnen und Arbeiter diejenigen, die eine Spedition wie die Paneuropa am Laufen halten, die die Stadt mit zu dem machen, was sie ist. Vielleicht sollten auch von ihnen einmal 400 fahren und Werbung für die Stadt machen. Sie sind doch der Menschenschlag, den Franz-Josef Holzenkamp beschreibt: „bodenständig, klar, direkt“. Sie sind doch diejenigen, so Holzenkamp, die „ankommen“. Leider kommen sie nicht in Berlin an. Schade! Das wäre einmal ein Erlebnis: Werbung für Vechta von denen, die hier wohnen und arbeiten, die aus unterschiedlichen Berufen kommen und aus erster Hand sagen können, was sie für liebens- und lobenswert halten – eben bodenständig, klar und direkt!

(Raimund Schulte)

Ein Gedanke zu “Lokal-Werbung in Berlin – 400 Leute unterwegs

  1. Das spricht mir aus der Seele, Raimund…

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