Siemer-City wächst

In der OV-Ausgabe vom 6.9.2011 findet sich auf S. 10 ein Bericht über die neuen Geschäfte, die in den Geschäftsräumen neben Vögele und Deichmann angesiedelt werden. Die Gebäude gehören Dr. Stefan Siemer, der sich so nach und nach und auch nach eigenen Angaben ein neues Stadtzentrum um Aldi, REWE und Co. aufbauen will.

Ein Gewinn für Vechta? – Weit gefehlt! – Ein Gewinn für Dr. Siemer? – Auf jeden Fall!

Mit den neuen Angeboten „Mister-Lady“ und „Depot“ wird auf jeden Fall Kaufkraft aus der Innenstadt abgezogen und es wird die innerstädtische Kaufmannschaft schmerzen, wenn nun bereits zahlreiche innenstadtrelevante Waren angeboten und gekauft werden können, bevor potenzielle Kunden überhaupt Vechtas City erreicht haben.

Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass es bei einem weiteren Ausbau zu einer Zersiedlung im Bereich des Warenangebotes kommen wird. Die City wird weiter geschwächt. Ein solches innenstadtrelevantes Angebot hätte sicher Sinn gemacht auf einem neu gestalteten Neuen Markt, nicht aber am Rand und auf halbem Weg zwischen Innenstadt und Famila-Verbrauchermarkt. Wieder einmal mehr wurden die finanziellen Einzelinteressen des Herrn Dr. Siemer über das Wohl der Stadt selbst gestellt.

Und wenn die OV berichtet, dass der Rat eine Chance verpasst habe, eine Hürde einzubauen, damit so etwas nicht möglich sein konnte, dann müssen sich die Bürgerinnen und Bürger fragen, wer denn eigentlich der Rat der Stadt ist. Hier regiert seit nunmehr 50 Jahren die CDU mit einer unendlichen starken Mehrheit. Es wäre doch ihre Aufgabe gewesen, genau diese Hürden einzubauen. Da kann man doch jetzt nicht so tun, als habe man das alles nicht gewusst oder sich gar gegen die Opposition nicht durchsetzen können.

Einfach lachhaft ist der Hinweis, der Standort sei historisch, weil bereits 1920 dort Handel getrieben worden sei. Seither ist in Vechta doch einiges passiert und es hat eine Entwicklung stattgefunden, die allerdings, so scheint es, von der Verantwortlichen im Rat bei einer solchen Argumentation verschlafen wurde. (Oder wollen Sie etwa eine Militärbasis von Bundeswehr und Nato im Bereich der Zitadelle – das wäre dann ja auch historisch.)

Insgesamt muss inzwischen wirklich jede Bürgerin, jeder Bürger erkannt haben, dass die angeblichen Gutmenschen wie Dr. Siemer und seine Freunde aus dem Rat nicht wirklich das Wohl der Stadt im Hinterkopf haben. Es geht um massive finanzielle Interessen. Da nun zu sagen, man habe das mit Depot und Co nicht verhindern können, ist absoluter Blödsinn. Man hat es nicht verhindern wollen, weil man inzwischen aufgrund einer 50 Jahre alten langen Kette von ineinander verflochtenen „Freundschaftsentscheidungen“ gar nicht mehr zurückrudern kann, so eng sind inzwischen die Abhängigkeiten geworden.

Bravo! Fragt sich, wann ein Antrag im Rat eingeht, dass hinter der Postleitzahl 49377 künftig nicht mehr Vechta steht sondern Siemer-Stadt. Der wird dann sicher auch genehmigt, obwohl man „mit der Entwicklung nicht glücklich“ ist, wie Herr Dalinghaus dann sicher wieder sagen wird.

3 Gedanken zu “Siemer-City wächst

  1. Zu ihrem polemischen Bericht nur so viel:
    Die Räume der Geschäfte am Falkenweg gehören nicht Dr. Stephan Siemer, sondern der Firma August Siemer Immobilien. Die Behauptung mit den beiden neuen Pächtern „wird auf jeden Fall Kaufkraft aus der Innenstadt abgezogen“ ist durch nichts zu beweisen, es sei denn, man hat hellseherische Fähigkeiten. Die Behauptung es wurden finanzielle Einzelinteressen von Dr. Siemer über das Wohl der Stadt gestellt, stellen eine Verleumdung dar. Es hat sich beim Pächterwechsel nichts geändert. Es wurde keine Behörde tätig, es findet nur ein Pächterwechsel statt. Wenn der Rat der Stadt eine Hürde hätte einbauen können, dann ist das richtig. Das hätte er tun können, aber den Bestandsschutz so zu belassen, hat der Rat der Stadt, das ist übrigens sechs Jahre her, einstimmig mit den Stimmen aller im Rat vertretenen Fraktionen beschlossen. Das hat mit der Mehrheit der CDU im Stadtrat also nichts zu tun. Dem Ratsherrn Dr. Siemer, der in der Innenstadt erheblich investiert hat, zu unterstellen, er habe nicht das Wohl der Stadt im Hinterkopf, müssen gerade die Leute sagen, die durch die Verhinderung des Baues der Entlastungsstraße der Stadt permanent Schaden zufügen.
    Klaus Esslinger

    • Sehr geehrter Herr Esslinger,
      ich danke Ihnen für Ihren Kommentar und die von Ihnen vorgenommenen Richtigstellungen.
      Anmerken möchte ich jedoch noch: Wenn der Rat einstimmig etwas beschließt, dann hat das auch mit der CDU-Mehrheit im Rat zu tun, denn gegen eine absolute Mehrheit kann man kaum etwas durchsetzen. Sie haben jedoch Recht, wenn Sie auf die Einstimmigkeit hinweisen, denn es hätte damals ja zumindest der Versuch unternommen werden können, eine Hürde einzubauen. Das ist einstimmig nicht geschehen. So gesehen war und ist es unsachlich und unfair, die CDU allein dafür verantwortlich zu machen. Diese Entscheidung ist von allen damals mitgetragen worden.
      Aber Politik wird von Menschen gemacht, die jeweils in ihrer Zeit und unter dem Eindruck der jeweils aktuellen Verhältnisse Entscheidungen treffen, auch treffen müssen. Diese Entscheidungen jedoch sollten immer wieder auf den Prüfstand gehoben werden, wenn sich Bedingungen und Umstände ändern. Nichts ist für die Ewigkeit, und das gilt auch und im Besonderen für Beschlüsse eines Rates, auch des Rates der Stadt Vechta. Sicher ist das unbequem, denn man muss unter Umständen eingestehen, dass eine alte Entscheidung vielleicht doch nicht ganz so richtig war, aber nur so ist es möglich, in einer Stadt sachorientiert Optimales für die Bürgerinnen und Bürger zu erreichen.
      Ob nun Kaufkraft abgezogen wird oder nicht, das wird die Zeit zeigen (ich bin tatsächlich weder Prophet noch Hellseher). Nachdenklich stimmt jedoch der Umstand, dass – um nur ein Beispiel zu nennen – die Fa. Krümpelbeck ihr Angebot verkleinert hat, seit Famila und Co entstanden sind und auch im Möbelhaus Nemann Deko und Porzellan angeboten werden. Sollte es hier wirklich ursächliche Zusammenhänge geben, dann ist zu erwarten, dass in der Innenstadt auch spürbar werden wird, wenn nun mit ‚Depot‘ im Dekobereich ein weiterer Anbieter auftreten wird.
      Die Investitionen des Herrn Dr. Siemer im Innenstadtbereich sind lobenswert und hoch zu achten. Doch ist Herr Dr. Siemer eben auch Geschäftsmann und als solcher selbstverständlich erfahren genug, dass er nicht planlos investiert. Als Geschäftsmann – und das ist kein Vorwurf – muss er auf Gewinn und Rentabilität aus sein, sonst macht eine Investition von mehreren Millionen Euro keinen Sinn. Das Wohl und Wehe der Stadt und der Bürger ist daher wohl nicht das einzige Motiv für sein Handeln, aber das liegt eben in der Natur der Sache und ist ihm so nicht vorzuwerfen.
      Zum Thema Entlastungsstraße zum Schluss: Herr Claus Dalinghaus hat gestern bei der Informationsveranstaltung zu dieser Sache eingangs zu Recht betont, dass sich „einige“ Bürgerinnen und Bürger an die Gerichte gewandt hätten, weil sie nicht einverstanden seien mit der geplanten Umsetzung der Straße. Sinngemäß führte Herr Dalinghaus weiter aus, man lebe schließlich nicht in einer Bananenrepublik und der Rechtsweg stehe eben jedem offen. Das ist auch gut so, wie sich beispielsweise bei der Kassiererin gezeigt hat, die aufgrund eines einfachen Pfandbons vor einiger Zeit ihre Anstellung verlor. Sie hat ebenfalls Recht gesucht und hat es erst in der letzten Instanz zugesprochen bekommen. Was ich damit meine ist Folgendes: Wir sollten froh sein, dass wir in unserem Land in einem Rechtsstaat leben dürfen, in dem jede Bürgerin und jeder Bürger die Möglichkeit hat, seine Interessen zu vertreten. Wenn Sie, Herr Esslinger, mir Polemik vorwerfen, dann verlassen Sie mit dem Vorwurf, dass wir „Leute (seien), die durch die Verhinderung des Baus der Entlastungsstraße der Stadt permanent Schaden zufügen“ auch den Boden der Sachlichkeit, denn unter den gerade zuvor genannten Aspekten (also die Möglichkeit der Beschreitung des Rechtsweges für jedermann) kann dieser Vorwurf so nicht stehen bleiben. Im Gegenteil: Durch den Verkauf von Baugrundstücken auf der alten (nun überflüssigen Trasse) sind der Stadt Einnahmen in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro ermöglicht worden. Diese Gelder wären nicht eingegangen, wenn die alten CDU-Pläne, diese Variante für eine Querung der Bahntrasse zu nutzen, umgesetzt und verwirklich worden wären. Diese Trassenführung wurde von der Bürgerinitiative verhindert.

      Raimund Schulte

      • Um damit abzuschließen, ich bin mit Claus Dalinghaus und Ihnen in der Frage, den Rechtsweg zu beschreiten, ja einig. Fest steht nur, dass es zu Verzögerungen und vorsichtig ausgedrückt zu Verteuerungen kommt. Was die Grundstücke der alten Trasse betrifftr, ist das eine Milchmädchenrechnung, das hebt sich durch andere käuflich erworbene Grundstücke durch die Stadt wieder auf, das hat Claus Dallinghaus auch gesagt. Ansonsten war das ein gutes Bürgergespräch und der CDU-Fraktionsvorsitzende hat aus den Anregungen der Bürger zwei Anträge an den Bürgermeister und Verwaltungsausschuss gerichtet. Die Frage mit den innerstädtisch relevanten Produkten bin ich der Auffassung, dass man das ohnehin nicht groß beeinflussen kann, das bestimmt einzig und allein der Markt, der Kunde, wo er wann einkauft, wenn nicht in unserer, dann in der anderen Stadt.

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