Archiv der Kategorie: Stadtentwicklung

Gartencenter – alles eine Frage der Definition

Da soll noch jemand durchblicken, das soll noch jemand verstehen.

Das Hamburger Beratungsbüro Lademann und Partner erstellt ein Gutachten und kommt zu dem Schluss, dass in Vechta lediglich 3500 m² Ladenfläche im Garten- und Pflanzensegment zuzulassen wären, weil sonst zu viel Kaufkraft aus dem Umland abgezogen werden würde. Da aber die Pläne der drei Bewerber diese Flächengröße massiv überschreiten, geht es nun in einer neue Runde: Diplomingenieur Boris Böhm soll die Verkaufsflächen noch einmal neu berechnen, denn, so ist zu lesen, gehören ja Tebbes Baumschule nicht zur Verkaufs- sondern zur landwirtschaftlichen Fläche, auch Freiflächen seien fälschlicherweise mit zur Verkaufsfläche gerechnet worden.

Das freut uns von WFV, denn wir sehen nach wie vor keinen Grund, Rainer Ostmann mit seinen Plänen quasi auszubooten. Alle drei Bewerber haben sicher ihre Hausaufgaben gemacht und ihre Erweiterungspläne messerscharf durchkalkuliert. Der Markt wird regulieren, was am grünen Tisch so im Detail nicht zu planen ist.

WirFÜRVechta freut sich mit Frauke und Stephan Tebbe, dass sie mit ihrem Familienbetrieb nun expandieren und modernisieren können. Es wäre wünschenswert, wenn auch die anderen beiden Bewerber ihre Pläne in einem gewissen Rahmen umsetzen könnten, zumal Lademann und Partner Ostmann als Empfehlung für eine Erweiterung benannt hatte. Der Arbeitskreis Einzelhandel hatte sich aber gegen diese Empfehlung und für Nemann entschieden.

Inwieweit dessen „Mischung aus Wohnen und Garten“, wie sie von Nemann und Meyer-Pundsack angestrebt wird, allerdings ein völlig neues Konzept sein soll, erschließt sich mir nicht, denn es ist auch außerhalb der kleinen heilen Welt Vechtas schon länger beobachtbar, dass neben Möbeln auch Pflanzen und Gartenartikel angeboten werden (z.B. bei Ikea).

Wie auch immer: Es wäre wünschenswert, wenn endlich einmal klar würde, nach welchen Kriterien in Vechta Entscheidungen gefällt werden und auf welcher Grundlage diese Entscheidungen zustande kommen. Geld für teure Gutachten auszugeben, an die man sich nicht hält, ist schon merkwürdig. Nun die Flächen noch einmal differenzierter neu zu berechnen ist ebenso merkwürdig, denn da ist ja dann im Vorfeld wohl geschlampt worden.Wenn aber Zahlen nicht stimmen, wie kann man dann Entscheidungen treffen? Wenn die Zahlen stimmen, warum wird dann nachgerechnet? Will man um alles in der Welt seine eigentliche Absicht durchsetzen? Rechnet man sich vorher und vielleicht geheim gefasste Beschlüsse nun schön? Will man am Ende dann den Bürgerinnen und Bürgern einmal mehr Sand in die Augen streuen und interne Pläne objektiver aussehen lassen?

Wir fragen nur. Denn komisch ist das alles schon.

Hotelpläne am ehemaligen ZOB

Wir werden in Kürze Stellung nehmen zu den Plänen des Bürgermeisters, mit Hilfe eines Investors am ehemaligen ZOB hinter dem neuen Kino ein Großes Hotel mit 72 Zimmern errichten zu lassen.

So könnte das neue Hotel aussehen

Planskizze

Die Meinungen in der Öffentlichkeit gehen derzeit weit auseinander: Befürworter sehen in dem neuen Haus eine großartige wirtschaftliche Chance für Vechta, andere befürchten und sehen in erster Linie einen weiteren Parkplatzverlust.

WirFÜRVechta bemüht sich in diesen Tagen um sachliche Informationen zu den Plänen. Sobald erste Recherchen abgeschlossen sind, werden wir auch Sie, die Bürgerinnen und Bürger, über den Stand der Dinge informieren und dabei versuchen, das Thema von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten.

Bitte haben Sie noch etwas Geduld und schauen Sie immer mal wieder rein bei uns.

Siemer-City wächst

In der OV-Ausgabe vom 6.9.2011 findet sich auf S. 10 ein Bericht über die neuen Geschäfte, die in den Geschäftsräumen neben Vögele und Deichmann angesiedelt werden. Die Gebäude gehören Dr. Stefan Siemer, der sich so nach und nach und auch nach eigenen Angaben ein neues Stadtzentrum um Aldi, REWE und Co. aufbauen will.

Ein Gewinn für Vechta? – Weit gefehlt! – Ein Gewinn für Dr. Siemer? – Auf jeden Fall!

Mit den neuen Angeboten „Mister-Lady“ und „Depot“ wird auf jeden Fall Kaufkraft aus der Innenstadt abgezogen und es wird die innerstädtische Kaufmannschaft schmerzen, wenn nun bereits zahlreiche innenstadtrelevante Waren angeboten und gekauft werden können, bevor potenzielle Kunden überhaupt Vechtas City erreicht haben.

Man muss kein Prophet sein um zu erkennen, dass es bei einem weiteren Ausbau zu einer Zersiedlung im Bereich des Warenangebotes kommen wird. Die City wird weiter geschwächt. Ein solches innenstadtrelevantes Angebot hätte sicher Sinn gemacht auf einem neu gestalteten Neuen Markt, nicht aber am Rand und auf halbem Weg zwischen Innenstadt und Famila-Verbrauchermarkt. Wieder einmal mehr wurden die finanziellen Einzelinteressen des Herrn Dr. Siemer über das Wohl der Stadt selbst gestellt.

Und wenn die OV berichtet, dass der Rat eine Chance verpasst habe, eine Hürde einzubauen, damit so etwas nicht möglich sein konnte, dann müssen sich die Bürgerinnen und Bürger fragen, wer denn eigentlich der Rat der Stadt ist. Hier regiert seit nunmehr 50 Jahren die CDU mit einer unendlichen starken Mehrheit. Es wäre doch ihre Aufgabe gewesen, genau diese Hürden einzubauen. Da kann man doch jetzt nicht so tun, als habe man das alles nicht gewusst oder sich gar gegen die Opposition nicht durchsetzen können.

Einfach lachhaft ist der Hinweis, der Standort sei historisch, weil bereits 1920 dort Handel getrieben worden sei. Seither ist in Vechta doch einiges passiert und es hat eine Entwicklung stattgefunden, die allerdings, so scheint es, von der Verantwortlichen im Rat bei einer solchen Argumentation verschlafen wurde. (Oder wollen Sie etwa eine Militärbasis von Bundeswehr und Nato im Bereich der Zitadelle – das wäre dann ja auch historisch.)

Insgesamt muss inzwischen wirklich jede Bürgerin, jeder Bürger erkannt haben, dass die angeblichen Gutmenschen wie Dr. Siemer und seine Freunde aus dem Rat nicht wirklich das Wohl der Stadt im Hinterkopf haben. Es geht um massive finanzielle Interessen. Da nun zu sagen, man habe das mit Depot und Co nicht verhindern können, ist absoluter Blödsinn. Man hat es nicht verhindern wollen, weil man inzwischen aufgrund einer 50 Jahre alten langen Kette von ineinander verflochtenen „Freundschaftsentscheidungen“ gar nicht mehr zurückrudern kann, so eng sind inzwischen die Abhängigkeiten geworden.

Bravo! Fragt sich, wann ein Antrag im Rat eingeht, dass hinter der Postleitzahl 49377 künftig nicht mehr Vechta steht sondern Siemer-Stadt. Der wird dann sicher auch genehmigt, obwohl man „mit der Entwicklung nicht glücklich“ ist, wie Herr Dalinghaus dann sicher wieder sagen wird.

Gartencenter – fehlende Transparenz

Wenn man sich auch heute wieder einmal die Pressemitteillung der FDP in der OV (Ausgabe vom 19.08.2011, S. 10) anschaut, dann kann man schon das Grausen bekommen.

Da kritisiert der Kandidat der Freien Demokraten zu Recht das merkwürdige Abstimmungsverhalten des Arbeitskreises Einzelhandel (auch WFV hat sich unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Beschlusses irritiert gezeigt), das sich mal eben über die Empfehlung eines für viel Geld in Auftrag gegebenen Gutachtens neutraler Experten hinwegsetzt.

Eine Stellungsnahme der CDU bleibt hierzu bisher aus. Man habe wohl überlegt eine Empfehlung ausgesprochen, soll Fraktionschef Dalinghaus von der CDU gesagt haben. (Das ist ja wohl auch das Mindeste, dass man so etwas wohl überlegt.) Und dann beginnt wieder das alte Spielchen, dass niemand Verantwortung für so eine endgültige Entscheidung übernehmen will. Und das geht so:

  1. Es liegen Bau- und Erweiterungsanträge vor. Über diese wird nicht direkt entschieden, sondern…
  2. … es wird ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem ein klares Ergebnis formuliert und eine Empfehlung ausgesprochen wird. (Diese aber scheint nicht ins Konzept zu passen.)
  3. Die Empfehlung des Gutachtens wird ignoriert und im Arbeitskreis Einzelhandel (zu dem einer der Antragsteller gehört) wird eine andere Empfehlung formuliert. Die aber ist eben nur eine Empfehlung und immer noch kein Beschluss.
  4. Man bemängelt fehlende Informationen (da fragt man sich, auf welcher Grundlage sind die Gutachten entstanden, warum haben die Rats- und Arbeitskreismitglieder nicht diese Informationen?)
  5. Alles wird in den Bauausschuss verwiesen, wo die drei Bewerber noch einmal zum Schaulaufen Gelegenheit haben, wenn sie ihre Pläne vorstellen sollen. (Das ist ein Schritt, der eigentlich noch vor den Gutachten liegt, denn die Gutachter benötigen ja genau diese Informationen, wenn sie ihre Bewertungen kompetent und sachlich richtig erstellen wollen.)
  6. Der Bauausschuss erarbeitet dann eine Beschlussvorlage (auf der Grundlage der mündlichen Vorträge – wo bleiben die Ausführungen aus dem Gutachten?).
  7. Diese Vorlage wird dann dem Rat zur Abstimmung vorgelegt (haben wenigstens alle Ratsmitgleider das Gutachten gelesen? – Das ist mehr als fraglich!!)

Und am Ende kann jeder sagen, er habe von allem nichts Genaues gewusst. Man habe ja nur nach Aktenlage entscheiden können und sich auf die Empfehlungen des Bauausschusses verlassen können müssen. Und wer nun wirklich dafür verantwortlich zu machen ist, dass Ostmann ausgebootet wurde, das lässt sich so nicht mehr wirklich nachvollziehen. Viele waren beteiligt und nur wenige hatten von Anfang an die Fäden in der Hand. Aber gekonnt werden auf so einem verworrenen Weg Spuren verwischt und vor allem: Es wird Zeit gewonnen. Denn der Bauausschuss tagt erst am 31.08. Bis eine beschlussfähige Vorlage ausgearbeitet ist, werden wieder einige Tage und Wochen vergehen. Ob das bis zur nächsten Ratssitzung sein wird, das ist fraglich. Und am 11.09. sind Wahlen. Herrlich, wie man so etwas verschleppen kann.

Das ist die Vechtaer TRANSPARENZ, oder besser: Das ist das, was einige in Vechta für Transparenz halten.

Gartencenter – Gutachten falsch gelesen

In der OV vom 12.08.2011 wird aus einer Presseerklärung der FDP auf S. 10 zitiert. Hierbei geht Jürgen Büssing, Vorsitzender der Liberalen, davon aus, das Gutachten sage, „dass keines der drei geplanten Vorhaben städtebaulich vertretbar und genehmigungsfähig“ sei. Das trifft so nicht zu und beruht offensichtlich auf einer falschen Interpretation des Gutachtens.

Richtig ist, dass alle drei Vorhaben durchaus vertretbar wären, wenn auch in jeweils abgespeckter Form. Prognostizierte Umsatzzahlen zeigen allerdings deutlich, dass C. Nemann im Falle einer reduzierten Variante auch auf den größten Umsatzzuwachs  verzichten müsste, der bei mehreren Millionen Euro im Jahr liegen würde.

Alleine schon die Tatsache, dass Tebbe bereits dort seine Gärtnerei betreibt, zeigt ja, dass die aus dem Gutachten herausgelesene Aussage, dort sei kein Geschäft vertretbar, nicht stimmen kann.

Schade ist, dass die Bürgerinnen und Bürger sich auf solche Informationen aus der Zeitung verlassen müssen. Wenn sie aber, wie in diesem Fall, nicht stimmen, weil jemand ein Gutachten nicht richtig interpretiert oder gelesen hat, dann kommen Meinungen zustande, die auf falschen Voraussetzungen beruhen. Und diese sollen dann die Basis für weitere Einschätzungen und Entscheidungen sein. Das kann nicht gut gehen.

Vielleicht sollte man Gutachten, für deren Kosten die Bürgerinnen und Bürger ja schließlich durch ihre Steuergelder auch aufkommen, öffentlich machen, damit sie jederzeit von den Interessierten auch eingesehen werden können. So würden dann auch Entscheidungen der Politik nachvollziehbarer und transparenter.

Aber wir fürchten, dass der Moorbach eher bergauf fließen wird.