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Über Pressesprecher

Pressesprecher der Wählerinitiative "WirFÜRVechta"

Gleichheit – Sachlichkeit

Wie schön ist es doch, dass man sich alles zurechtbiegen kann.

In der heutigen Ausgabe der Oldenburgischen Volkszeitung (14.3.2011) findet der Leser auf S. 8 unten rechts einen kleinen Artikel, in dem es heißt, die Junge Union Vechta fordere die Ratsparteien auf, „in der heutigen Sitzung ab 19 Uhr im Rathaus die Frage einer Straßen- und Platzbenennung nach den verstorbenen Bürgermeistern Bernd Kühling und Georg Möller sachlich zu führen.“

Ist das nicht schön? Wir stimmen zu, denn um nichts anderes geht es auch uns. Aber das ist gar nicht das Thema. Wenn wir uns ärgern in dieser Sache, dann ging und geht es nicht um die Benennung, es geht vielmehr darum, wie mit der politischen Opposition im Rat und in der Presse umgegangen wird. Auch das wird im Text in der OV erkennbar.

Die JU lässt nämlich weiter verkünden: „Die Vechtaer CDU habe den Vorschlag von WirFÜRVechta (…) lediglich als gute Idee aufgegriffen und um einen eigenen Vorschlag ergänzt.“ Gut gesagt. Hört sich an wie Kooperation, ist es aber nicht. „Der Vorwurf des Ideenklaus sei deshalb falsch.“ Eben nicht! Wenn man die Quelle der Grundidee nicht nennt, diese Grundidee erweitert und dann alles als seine eigene verkauft, dann ist das unseriös. Nichts anderes hat Herr von und zu Guttenberg getan. Die meisten Ideen waren auch nicht von ihm, er hat sie nur ergänzt.

Der Artikel endet dann mit der Nennung der Internetadresse der JU-Vechta.

Das haben WirFÜRVechta auch versucht. Als wir eine neue Internetseite ins Netz gestellt hatten im Februar, haben auch wir versucht, das in der OV in Form einer Presseerklärung publik zu machen. Leider jedoch ist diese Presseerklärung nie erschienen. Doch für die CDU und deren Jugendorganisation JU tut man schließlich alles.

Aber dennoch sind wir Herrn Suffner, dem Verfasser des besagten Artikels in der heutigen Ausgabe, natürlich dankbar, denn immerhin wird in seinem Text der Name unserer Wählergruppe genannt. Wie sich die Bürgerinnen und Bürger denken können, hält sich diese Dankbarkeit allerdings stark in Grenzen.

Stolpersteine in Vechta

Mit Ehrfurcht und mahnendem Gedenken betrachte ich die in die Pflasterung an Vechtas Straßen eingelassenen Stolpersteine. Jeder Würfel erinnert an das Schicksal eines jüdischen Mitbürgers.

Wer im Gedächtnis der Menschen lebt,
der ist nicht tot, der ist nur fern;
tot ist nur, wer vergessen wird.

Und vergessen werden wir nicht, dürfen wir nicht. Daran erinnern uns diese Steine.

Ein Lob an die Vechtaer Schulen, die bei den verschiedenen Steinlegungen für die Angehörigen der Familien Marx, Gerson und Bloch die Patenschaft übernommen haben. Ein Lob auch an Hoscheng Ibrahim für sein Engagement und seinen eigens für diese Anlässe verfassten Rap.

Unverständlichkeit macht sich allerdings breit, wenn man die in der OV vom 12.03.2011 dargestellte Meinung von Charlotte Knobloch (ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland) liest, dass das Andenken der jüdischen Familien so „sprichwörtlich mit Füßen getreten“ werde. Was soll dann ein Quadermahnmal in Berlin, auf dem man sich zum Sonnen ausstreckt oder herumklettert.

Gedenken hat etwas mit innerer Einstellung zu tun. Gedenken kann ich auch ganz ohne Symbole. Aber mit den Stolpersteinen stolpert meine Seele bei jedem Gang durch die Stadt. Ein, wie ich finde, angemessener Weg, denn die Steine drängen sich nicht auf und sind doch da. Wer Augen hat zu sehen, der sieht sie, auch wenn sie nicht mehrere Meter hoch und in dunkelsten Farben in den Himmel ragen.

Trauer und Gedenken müssen nicht wie eine Standarte getragen und mit Posaunen und Pauken zelebriert werden. Trauer und Gedenken sind etwas ganz Individuelles und Persönliches. Und im Falle der Familie Gerson zeigten sich die Überlebenden, die bei der Steinlegung zugegen waren, gerührt und sogar dankbar für das Andenken, das ihnen in unserer Stadt entgegengebracht wird.

Lassen wir es dabei und gedenken in Stille, Demut und Scham.

Biosprit E10

Gut, die Biosprit-Debatte ist nun nicht unbedingt ein lokalpolitisches Thema, aber dennoch …

Unserer Meinung nach ist der Biokraftstoff E 10 ein Politikum und eine Mogelpackung. Niemand will es wirklich, aber alle sollen es wollen, weil es in Berlin beschlossen wurde. Da sitzen dann Mineralölkonzernvertreter und Regierungsvertreter zusammen und tuscheln sich aus (nicht “tauschen sich aus”).
Ökologischer Firlefanz, denn weniger CO2 kommt in der Bilanz auch nicht heraus, da bei der Herstellung mehr CO2 produziert wird als beim Verbrennen in den Motoren eingespart werden kann.
Eine weitere Folge werden wohl Preiserhöhungen bei Nahrungsmitteln sein, da viel Fläche für den Anbau der Grundstoffe benötigt wird, der dann für die Nahrungsmittelproduktion fehlen wird. Oder will man vielleicht importieren? Dabei wird doch auch CO2 frei, oder?
Der Verbraucher, die Bürgerinnen und Bürger sollen kaufen, werden aber nicht informiert. Und wenn die Autos erst einmal kaputt sind, dann hat wenigstens die Automobilindustrie etwas davon. So wäscht eine Hand die andere. Nur die Hände der Kunden sind verschmiert, wenn es an die Reparatur der Motoren geht.

Merke: Nicht überall, wo BIO draufsteht, ist auch BIO drin!

Wenn Sie sich informieren wollen, ob Ihr Auto E10 verträgt, schauen Sie hier.

Citycheck Große Straße

Wer wird Millionär? Hier die letzte und alles entscheidende Frage:

Was bedeutet eine durchgezogene Mittellinie – Tempolimit – verkehrsberuhigte Zone?

  1. Ich muss wenigstens mit einem Reifen immer die Linie treffen
  2. 20 km/h pro Autoinsasse – wie gut, dass ich den Wagen voll habe
  3. Zone? Hieß das nicht später DDR?
  4. Ich gehe in Deckung, denn ich fahre auf der Großen Straße in Vechta

Hieße ich Jauch, müsste ich fragen: Sind Sie sicher, dass es 1. ist? — Aber ich bin nicht Herr Jauch, ich bin ein Bürger Vechtas, habe die Grundausbildung bei der Bundeswehr gemacht und dort insgesamt 15 Monate gedient (ja, so alt bin ich schon). Und diese Ausbildung hilft mir, wenn ich die Große Straße überqueren möchte. Denn manchmal habe ich das Gefühl, dass es besser gewesen wäre, ich wäre auf der anderen Seite geboren worden.

Als Radfahrer ist es noch gefährlicher, denn die durchgezogene Mittellinie darf von Kraftfahrern nicht überfahren werden, auch beim Überholen eines Radfahrers nicht. Tja, so steht das in der Straßenverkehrsordnung (StVO), die in der gesamten Bundesrepublik gilt.

Aber: Wir befinden uns im Jahre 2011 n. Chr. In ganz Deutschland gilt die Straßenverkehrsordnung … Ganz Deutschland? Nein! Eine von unbeugsamen Verkehrsteilnehmern bevölkerte Kreisstadt hört nicht auf, der Vorschrift Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die Fußgänger und Radfahrer, die als Gäste und Kunden aus den umliegenden Gemeinden Bakum, Lutten oder auch aus der Kreisstadt selber stammen …

An die Begrenzung auf 20 km/h hält sich kaum ein Kraftfahrer, die durchgezogene Linie wird nicht einmal als gut gemeinter Vorschlag angesehen, sie wird schlichtweg ignoriert, Radfahrer weichen aus Angst auf die Gehwege aus, Fußgänger drücken sich aus dem gleichen Grund in die Geschäftseingänge. Regelverstöße, Ordnungswidrigkeiten, wohin das Auge blickt.

Kontrollen müssen her. Und es muss Ordnung geschaffen werden. Wenn wir es uns schon leisten wollen, die Innenstadt mit Verkehr zu belasten, dann aber bitte so, dass es wieder sicher ist, mit dem Rad zu fahren oder als Fußgänger die Straße zu betreten.

Übrigens: Spitzengeschwindigkeiten werden auf der Großen Straße vor allem im Dunkeln erreicht, denn dann sieht man die Geschwindigkeitsbgrenzung nicht. Würde man da einmal einen Abend Geschwindigkeiten kontrollieren, hätte man am Ende die Stadtkasse gefüllt und eine Kiste voller „Lappen“. – Aber vielleicht erledigt sich das Thema ja auch bald, wenn die Spritpreise weiter steigen.

Wir bleiben dran an dem Thema.

Gegen das Vergessen

Damals waren es die Juden …

Heute sind es dort die Schwarzen, hier die Studenten …

Morgen werden es vielleicht die Weißen, die Christen oder die Beamten sein …

Diese Worte setzt Hans Peter Richter seinem Jugendbuch „Damals war es Friedrich“ voran, in dem er schildert, wie zwei Jungen im selben Haus aufwachsen und in dieselbe Schule gehen. Jeder wird als einziges Kind von verständnis- und liebevollen Eltern erzogen. Doch Freidrich Schneider ist Jude, und nach und nach wirft der Nationalsozialismus seine Schatten über ihn und seine Eltern. Und Selbst Friedrichs Freund kann ihm immer weniger zur Seite stehen, da er selbst die Machtlosigkeit erlebt, die durch Zwang und Gewalt ausgelöst wird. Nach und nach gleitet die Geschichte aus einer scheinbar heilen Kinderwelt, in der die beiden Knaben die Zeichen der Zeit noch nicht verstehen, in ein unfassbares Dunkel.

Lange her? Weit weg? – Ich denke nicht.

In diesen Tagen verlegt der Künstler Gunter Demnig wieder einmal Stolpersteine – diesmal in der Juttastraße, dort, wo einstmals das Gebetshaus der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Vechta stand. Zuletzt war es auch Wohnhaus der Familie Marx. Stolpersteine gegen das Vergessen. Glänzende Würfel, eingelassen im Grau oder Rot der Pflasterung, auf denen das Schicksal der Verfolgten und Vertriebenen Vechtaer vermerkt ist. Gegen das Vergessen. Unangenehm. Hell stechen sie ins Auge des Vorübergehenden. Die Alten erinnern sich an ihr eigenes Jungsein, die Jungen werden konfrontiert mit der Geschichte, die auch die Geschichte ihrer eigenen Vorfahren ist. Einige wundern sich. Antisemitismus in Vechta? Das kennen sie nur aus den Schulbüchern und dem Geschichtsunterricht; das gabs doch nur in Berlin, vielleicht in Hamburg oder Köln, in großen Städten eben. — Auschwitz, Majdanek, Sobibor, aber auch eben Bergen-Belsen, Dachau, Flossenbürg. Nicht alles war so weit weg, wie man es gerne gehabt hätte. Auch in Vechta gab es Antisemitismus.

Und nicht alles ist so weit weg, wie wir es heute gerne hätten. Denn die Mechanismen von damals sind auch die Mechanismen von heute. Wir suchen uns oft Minderheiten, an denen wir unsere Überheblichkeit auslassen können. Machen wir uns also nichts vor. Halten wir doch beim nächsten Gang durch die Stadt kurz inne an den Stolpersteinen; verzögern wir doch unseren Schritt und denken wir einmal nach:

Damals waren es die Juden …